Gleichzeitigkeiten

Wenn es anderen Menschen gerade schlechter geht als mir, bekomme ich oft recht schnell ein schlechtes Gewissen. Darf es mir gut gehen, darf ich Spaß haben und schöne Dinge erleben, während es anderen Menschen um mich herum gerade gar nicht gut geht? Durch die sozialen Medien bekommen wir das Leid der ganzen Welt mit und das kann einen ganz schön überfordern und ein schlechtes Gefühl hervorrufen. Meine Kinder bekommen das manchmal zu hören, wenn sie z.B. am Essen rummäkeln oder mit etwas anderem unzufrieden sind. Dann sage ich gerne mal so Dinge, wie: "Kinder in armen Ländern wären froh, wenn sie dieses oder jenes hätten. Ihr hier im verwöhnten Deutschland habt gar keinen Grund zu meckern!" Da ist natürlich etwas wahres dran. Aber gleichzeitig ist dieser Satz auch ungerecht, denn es ist schwer, unterschiedliche Situationen miteinander zu vergleichen. Schließlich kann keiner etwas dafür, wo er geboren wurde und wie er aufwächst. 

Natürlich ist nichts selbstverständlich und wir sollten dankbar sein, wenn es uns gut geht. Und doch haben wir es in unserem Leben mit ganz eigenen Herausforderungen zu tun und die gilt es, nicht mit anderen in einen Topf zu werfen. Ich mag es gar nicht, wenn es mir nicht gut geht und ein anderer  sagt: "Nun sei mal zufrieden, es könnte auch noch schlechter sein!"

Ja, schlimmer geht immer, aber meine eigene Situation, ist aus meiner Perspektive, für mich herausfordernd und in diesem Moment wünsche ich mir Verständnis und keine Maßregelung

(wenn ich mich natürlich im Selbstmitleid bade, ist es manchmal ganz gut, wenn mich jemand wachrüttelt).

Ich merke in letzter Zeit, dass ich mein derzeitiges Erleben oft vergleiche mit Müttern die kleine Kinder haben. Sie sind körperlich extrem gefordert und haben kaum Zeit für sich, bzw. für Pausen. Und dann denke ich: Was stellst du dich eigentlich so an und warum bist du oft so müde und kaputt? Deine Kinder sind jetzt schon groß, du hast wieder einige Freiräume und Pausen für dich und eigentlich keinen Grund, müde und fertig zu sein!

Aber jeder, der Teenager Zuhause hat oder hatte, weiß wie herausfordernd diese Zeit auf ganz andere Art und Weise ist! Man ist zwar nicht mehr so sehr körperlich gefordert, aber ziemlich auf der emotionalen Seite und das macht auch ganz schön müde.

Und manchmal geht es mir schlecht damit, wenn es mir eigentlich gerade gut geht, aber ein anderer ist voll an seinem Limit. Dann bekomme ich ganz schnell ein schlechtes Gewissen und denke, dass ich mir gewisse Privilegien einfach nicht gönnen darf, weil es dem anderen gegenüber unfair wäre. Oh, man, ganz schön anstrengend, oder? Kennst du solche Gedanken und Gefühle auch?

Meist komm ich zu der Erkenntnis, dass der andere eigentlich nichts davon hat, wenn ich ihm zuliebe auf schöne Dinge verzichte und ändern tu ich dadurch an seiner Situation auch nichts. 

In der Bibel wird meist der Blick auf mich und mein Leben gelegt und das ich mich nicht so sehr auf das Leben des anderen konzentrieren soll. Das gefällt mir.

In der Bibel gibt es einen Satz der auffordert, sein Leben und die darin enthaltenen Geschenke zu genießen: 

So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen. (Prediger 3,12)

Nichts ist selbstverständlich und das Gute, dass wir genießen dürfen, kommt von Gott!

Und gleichzeitig macht die Bibel uns auch Mut, den anderen in seiner Situation zu sehen, mich mit ihm zu freuen, wenn es ihm gut geht und mit ihm zu weinen, wenn es ihm schlecht geht.

Freut euch mit den Fröhlichen! Weint mit den Trauernden! (Röm.12,15)

Beides darf gleichzeitig sein: Lachen und Weinen, Freude und Leid, Krankheit und Gesundheit, Leben und Tod, Armut und Reichtum.....

In diesem Sinne wünsche ich dir und mir, dass wir die Gleichzeitigkeiten des Lebens akzeptieren und stehen lassen können, uns nicht vergleichen und jede Situation für sich selbst sehen lernen!

Deine Danny 

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