Richtig Streiten

Nach fast 25 Jahren Ehe, 19 Jahren Mama sein, plus den Erfahrungen in meiner Arbeit als Erzieherin, sollte man meinen, dass ich mich mit dem Thema Streiten auskenne und in der Lage bin, Konflikten angemessen zu begegnen. Und theoretisch ist das auch der Fall. In einer Konfliktsituation nimmt man sich die zwei Parteien, begibt sich an einen ruhigen Ort, hört sich nacheinander beide Sichtweisen an und versucht am Ende zu einer gemeinsamen Lösung des Problems zu kommen. Im besten Fall findet dann noch eine Versöhnung statt und die Beziehung ist wiederhergestellt. Und natürlich wäre es vorteilhaft, wenn die Klärung des Konfliktes zeitnah geschieht, damit sich nicht zu viel Ärger und Frust anstaut. Getreu nach dem biblischen Prinzip:

Lasst die Sonne nicht untergehen,

ohne dass ihr einander vergeben habt.

Epheser 4,26

 

Soweit so gut die Theorie. Leider ist die Praxis nicht immer so einfach.

Letztens war ich so sauer und wütend, hatte einen dicken Streit mit meinem Mann und ich habe mich nicht versöhnt bevor ich eingeschlafen bin. Ich hatte keinerlei Intentionen den Streit noch zu klären. Ich wollte sauer sein!

Warum ist es in der Realität oft nicht so leicht?

Zum einen weil sehr viele Emotionen mit im Spiel sind. Einen Streit von außen zu lösen ist immer leichter als selbst involviert zu sein!

Zum anderen haben sich mit der Zeit gewisse Streitmechanismen aufgebaut, die sich ganz automatisch in einem Konflikt abspielen, ohne dass man das bewusst mitbekommt.

Und dann ist da noch die Herkunftsfamilie, in der wir eine bestimmte Streitkultur mitbekommen haben und diese mit in unsere Ehe bringen. Von Streitvermeidung bis offensiver Schlagabtausch. Von Zurückziehen bis den anderen mit Nichtbeachtung strafen - In einer Ehe prallen Streitwelten aufeinander.

Und auch unsere Persönlichkeit spielt eine Rolle. Sind wir eher harmoniebedürftig, dann gehen wir einem Streit lieber aus dem Weg. Oder sind wir Freunde des offenen Wortes, dann gehen wir offensiv in einen Konflikt hinein. 

Sich darüber auszutauschen, erklären zu dürfen wie man darüber denkt und was für ein Typ man ist und miteinander eine eigene Streitkultur zu entwickeln, ist für eine Ehe heilsam. 

Ganz wichtig sind bestimmte Rahmenbedingungen bei der Klärung eines Konflikts: Sind wir ausgeschlafen, fit, satt, grundsätzlich positiv gestimmt? Ansonsten sollten wir das Konfliktgespräch vielleicht auf ein anderes Mal verschieben.

Doch egal wie gut man sich vorbereitet und wie sehr man bestimmte Prinzipien beachtet, manchmal knallt es einfach, die Emotionen schießen hoch und man findet nicht sofort einen guten Weg miteinander.

Und dann ist es so gut zu wissen, dass wir jemanden haben, der für all unsere Schwäche, all unsere bösen Gedanken und Worte, all unsere Streitlust und Konfliktunfähigkeit gestorben ist. Alles Schlechte nahm er auf sich und vergab uns unsere Schuld und deshalb können wir auch dem vergeben, der an uns schuldig geworden ist:

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Matthäus 6,12

 

Jeder neue Tag ist die Chance, neu anzufangen, denn Gott nimmt uns an und verwandelt unser Leben:

Die Güte des HERRN hat kein Ende,

sein Erbarmen hört niemals auf,

es ist jeden Morgen neu!

Groß ist deine Treue, o Herr! 

Klagelieder 3,23-24

 

 

Von dieser Tatsache leben wir in unserer Ehe und Familie und das ist so befreiend!

Selbst wenn ich es komplett verbockt habe, hat sich schon jemand um alles gekümmert!

Und wenn ihr es mal nicht schafft, euren Streit bis zum Abend zu klären, sagt euch:

Du, ich bin gerade zu verletzt und zu emotional.

Ich kann gerade nichts klären.

Lass uns eine Nacht drüber schlafen.

Aber ich liebe dich!

 

In diesem Sinne wünsche ich uns, dass wir immer besser lernen, miteinander zu streiten, aber auch immer mehr in der Vergebung von Jesus zu leben. Mir ist vergeben, darum kann ich vergeben.

 

Deine Danny 

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