Als ich letztens unsere Küche putzte, bin ich auf eine Obstschale gestoßen, die ich vor langer Zeit von einer Freundin geschenkt bekommen habe. Diese Obstschale ist jedoch leider auch das Einzige, was mir von dieser Freundin geblieben ist!
In dem Moment, als ich die Schale sauber machte, wurde ich an alles erinnert, was wir miteinander an Schönem erlebt haben, aber auch wie schmerzhaft diese Freundschaft für mich geendet hat. Es ist schon viele Jahre her, doch immer mal wieder kommen Schmerz und Traurigkeit in mir hoch.
Als Christ bin ich natürlich "Profi" darin zu vergeben und Menschen eine neue Chance zu geben. Aber oft braucht es erst einmal einen Prozess des Trauerns. In manchen christlichen Kreisen, wird dieser Prozess meines Erachtens nach, manchmal zu kurz und zu schnell abgehakt.
So sah ich die Tage ein Interview mit einer Frau, die als Teenager von ihrem Vater mehrere Jahre missbraucht wurde. Sie hat schon erwähnt, dass das alles sehr hart für sie war und ihr Vater auch ein Stück weit ihr Leben zerstört habe. Aber sie kam dann zu einem Punkt, wo sie ihm vergeben hat. Vergebung ist etwas Gutes und Notwendiges, verstehe mich bitte nicht falsch. Ich finde es grundsätzlich gut und richtig, dass man als Christ vergibt. Aber bei mir sind schon ein paar Fragen offen geblieben:
Gab es für den Vater irgendwelche Konsequenzen für das, was er seiner Tochter angetan hat? Welche Rolle hat die Mutter in dem Ganzen gespielt? Und was hat es tatsächlich mit der Seele und dem Leben dieser Frau gemacht? Wie lange hatte sie Wut, Trauer und Schmerzen erlebt? Konnte sie diese Wut und Trauer auch offen kommunizieren und Schritt für Schritt aufarbeiten und bewältigen?
Ich hätte gerne mehr über den Prozess erfahren, den sie durchlebte und wie sie letztlich zum Punkt der Vergebung kam. Es klang alles sehr souverän, abgeklärt und fromm.
Durch den Verlust der oben beschriebenen Freundschaft und durch andere Situationen in meinem Leben, die mich traurig machten, habe ich erlebt, dass es unbedingt einen vernünftigen Trauer- und Bewältigungsprozess braucht, den man nicht zu schnell irgendwie abkürzen sollte, nach dem Motto: Vergib und alles ist gut!
Ein Weg der Trauerbewältigung ist immer individuell. Es kommen unterschiedliche Faktoren zusammen, die meinen Trauerprozess vorgeben: Was für eine Persönlichkeit bin ich? Wie schwer wiegt für mich die Verletzung? Gibt es vielleicht noch etwas mit einer Person zu klären? Muss ich meinen Gedanken und Gefühlen nochmal Raum geben, indem ich sie zum Beispiel runter schreibe oder mit jemandem darüber rede/ bete? Brauche ich noch Unterstützung durch einen Therapeuten/ Seelsorger? Vielleicht fallen dir noch andere Dinge ein.
Wenn ich mich meiner Verletzung gestellt habe, kann ich mit Jesus über Vergebung reden. Er hat mir vergeben und hilft mir, meinem Nächsten ebenfalls zu vergeben.
Jesus möchte beides:
Das ich ihm meinen Schmerz und meine Trauer gebe, damit er heilen kann:
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
Psalm 147,3
und zugleich möchte er helfen, vergebungsbereit zu werden:
Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern,
wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Epheser 4,32
Ich wünsche dir und mir, dass wir uns diesen Prozess nehmen und nicht zu schnell Schmerz und Trauer abtun!
Deine Danny
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Sabine Freitag (Donnerstag, 19 März 2026 10:19)
Genauso ist es. Ich möchte oft vergeben und in meinem Herzen ist es noch nicht heil und kommt immer wieder hoch und wieder ist die Verletzung da. Bei manchen Dingen entscheide ich mich zu vergeben und kann es aber nicht vergessen und würde es so gerne. Dieser Prozess dauert oft sehr lange und ich bin mit Gott im Gespräch und sage ihm, was mich bewegt. Besonders schlimm ist es dann, wenn es nicht irgendwer war, durch den ich mich verletzt fühle, sondern wenn es mein Freund, meine Freundin oder eine Vertrauensperson war. Da dauert es oft sehr lange.
Sabine Freitag (Donnerstag, 19 März 2026 10:35)
19.3.2026
Sabine (Samstag, 21 März 2026 10:34)
Ich möchte mich dem anschließen. Ich fühle mich oft abgelehnt und dann komme ich oft ins Zweifeln.
Dann sage ich mir Jesus reagiert nicht so wie ich mir das vorstelle, aber reagiert! LG Sabine
Danny (Mittwoch, 25 März 2026 18:57)
Danke für eure Antworten �!
Ja, wir sitzen da alle im gleichen Boot und brauchen immer wieder Gottes Hilfe dabei!