Oft grenze ich mich bewusst von schlechten Nachrichten aus der Welt ab, weil mich das ganze Leid einfach maßlos überfordert und ich dem hilflos gegenüberstehe.
Doch natürlich möchte ich nicht kalt und abgestumpft für die Nöte meiner Mitmenschen werden.
Erst recht als Christ, der so viel Barmherzigkeit von Gott erlebt hat und der weiß, dass auch Gott sich von uns Barmherzigkeit wünscht.
Das können wir schön an der Geschichte vom barmherzigen Samariter lesen:
Ein Mann wird auf der Straße von Räubern überfallen und dann einfach verletzt liegengelassen. Erst kommt ein Priester vorbei, hält jedoch nicht bei dem Verletzten an. Danach kommt ein Levit (ein Bediensteter am Jerusalemer Tempel) vorbei. Auch er hilft dem Verletzten nicht. Eine wichtige Hintergrundinformation, um nicht all zu schnell zu urteilen: Der Jude durfte keinen Toten berühren. Wohl deshalb gingen beide an dem Opfer vorüber. Sie werden gedacht haben, dass er tot sei!
Zuletzt kommt ein Samariter vorbei, der eigentlich ein Feind für die Juden war. Er nimmt sich des Verletzten an, verbindet seine Wunden und bringt ihn in eine Unterkunft. Er bittet den Wirt, sich weiterhin um diesen zu kümmern und kommt für alle Unkosten auf.
Jesus sagt, dass wir ebenso an unserem Nächsten handeln sollen, wie der Samariter. Diese Geschichte kannst du im Lukasevangelium, Kapitel 10, Verse 25-37, lesen.
Vor einiger Zeit sah ich in einem Einkaufszentrum eine Frau, die scheinbar eine Obdachlose in unserer Stadt ist. Sie lief ohne Schuhe herum. Sie war dünn gekleidet, durchnässt vom Regen und biss gerade in ein weggeworfenes Brötchen, was sie zuvor aus dem Mülleimer gefischt hatte.
Mein Herz war so schwer und angerührt und ich empfand tiefes Mitgefühl für diese Frau. Sie wirkte sehr abwesend, als ob sie Alkohol, Drogen oder Medikamente zu sich genommen hatte.
Ich fragte mich, was ihr im Leben passiert ist, dass sie in so einen schrecklichen Zustand gebracht hat?
Und ich fragte mich, wie ich ihr helfen könnte?
Ich überlegte und dann war sie plötzlich verschwunden.
Ihr Bild blieb in meinem Kopf und bis jetzt muss ich immer wieder an diese Frau denken!
Doch was hätte ich wirklich tun können, um ihr zu helfen? Ein paar warme Anziehsachen, ein paar Schuhe, was zu essen und zu trinken kaufen? Hätte es ihr wirklich geholfen? Hätte sie diese Hilfe überhaupt angenommen? Wäre es nicht nur ein kleines "Trostpflaster", was kurzfristig mein schlechtes Gewissen beruhigt ,aber nicht wirklich etwas an ihrer Situation verändert hätte?
Ich habe darauf keine Antwort gefunden.
Ich weiß nur, dass ich bei solchen Dingen Gottes Hilfe und seine Weisheit brauche, um zu erkennen, wann und was ich in einzelnen Situationen tun kann. Und wenn ich das tue, was Gott mir vor die Füße legt, werde ich helfen können, ohne überfordert zu sein und muss nicht mehr lange darüber nachdenken, ob und was ich tun soll!
So haben mein Mann und ich vor einigen Monaten einen afrikanischen jungen Mann aufgegabelt, der hilflos in unserer Stadt herumirrte. Wir haben ihn eine Zeit lang in der Gemeinde wohnen lassen, ihn öfter mal zu uns zum Essen eingeladen und später habe ich mit ihm eine Wohnung gesucht und gefunden. In dieser Situation mussten wir nicht lange nachdenken. Wir haben einfach gehandelt und wussten, dass das jetzt eine Not war, der wir mit Gottes Hilfe begegnen können!
Und so möchte ich es auch weiter handhaben und die Situationen ergreifen, die Gott mir vor die Füße legt. Ich kann nicht die Welt retten. Das kann nur Jesus!
Und ich muss auch manche Not mit ansehen, ohne selbst helfen zu können. In diesen Momenten kann ich "nur" beten, dass Gott sich dieser oder jener Situation oder Person annimmt.
Und dann auf die Winke warten, die Gott mir gibt, wann ich selbst etwas tun kann.
Wie ist dein Umgang mit diesem Thema? Findest du es auch schwierig? Wo konntest du Nöten von Menschen begegnen?
Teile das doch gerne mit uns, indem du einen Kommentar dazu schreibst.
Denn wenn wir gemeinsam den Nöten in unserer Umgebung begegnen, verändern wir die Welt und schenken Menschen ein Stück von Gottes Barmherzigkeit!
Deine Danny
Kommentar schreiben